Mittwoch, 8. Februar 2017

Liebe Chefs, kranke Kinder gehören dazu!



Eltern sollen die Krankheit ihrer Kinder besser planen? So ein Quatsch! Sage ich als Arbeitgeberin.

«Die Arbeitgeber empfehlen, dass die Eltern potenziell auftretende Betreuungsfälle wie ein krankes Kind im Voraus planen und generell organisieren.» meldete sich der Arbeitgeberdirektor Roland Müller letzte Woche zu Wort. Auf Anfrage beschwichtigte der Arbeitgeberverband, dies sei nur eine generelle Empfehlung.

Was soll das überhaupt heissen? Soll ich den ganzen Winter über einen Babysitter auf Standby haben, der beim ersten Niessen des Kindes antraben soll? Soll die Grossmutter von November bis März ihr Leben auf Eis legen, damit sie bei Anzeichen auf Magen-Darm-Grippe einspringen kann? Oder eben – wie das offenbar die meisten tun – das Kind mit Medis vollpumpen und dennoch in die Kita schicken, wo es andere ansteckt? Das alles im Namen der Schweizer heiligen Kuh, der Arbeit?
Als Arbeitnehmerin und Mutter regt mich eine solche realitätsfremde und naive Aussage sehr auf. Auch – das gebe ich offen zu – weil sie von einem Mann kommt. Ich kenne Herrn Müller nicht, aber seine Worte lassen doch stark vermuten, dass er kaum derjenige ist, der bei kranken Kindern – sofern er welche hat – zu Hause bleibt und sie gesund pflegt. Aber das ist wohl eine Unterstellung.
Als Arbeitgeberin nervt mich seine Aussage aber genauso. Meine Mitarbeiter sind zu 70% Mütter, die in Teilzeit arbeiten. Von Januar bis März ist bei uns Hochsaison. Ihr könnt euch vorstellen, wie unpraktisch es ist, wenn genau dann die Kinder krank werden und uns Arbeitskräfte ausfallen. Soll ich meinem Team jetzt auch sagen, sie sollen die Grippe, Erkältung, Viren ihrer Kinder besser planen, damit mir kein Woman-Power fehlt? Das wäre doch ziemlich lächerlich, oder?

Fangen wir mal mit dem Gesetz an, was sagt das denn dazu? Hierzu habe ich die Mompreneur und Juristin Rahel Straub von www.lawmeetsentrepreneur.com gefragt. «Das Gesetz - Artikel 36 Absatz 3 des Arbeitsgesetzes - schreibt vor, dass ein Arbeitnehmer bei Vorliegen eines Arztzeugnisses bis zu drei Tagen von der Arbeit fernbelieben kann zur Betreuung eines kranken Kindes. Folgende Punkte müssen dabei beachtet werden: - Es muss ein Arztzeugnis vorliegen, welches die Krankheit des Kindes bestätigt - Die Bestimmung gilt nur für Kinder bis 15 Jahre - Die Regelung gilt für jeden Einzelfall neu, somit pro Krankheit und auch für jedes Kind einzeln. Der Lohn hat der Arbeitgeber zu bezahlen, es handelt sich um eine unverschuldete Absenz.
Selbstverständlich kann ein Arbeitgeber auch kulant sein und kein Zeugnis verlangen oder mehr als drei Tage Absenz akzeptieren.» fügt sie hoffnungsvoll an.
Kann er. Sollte er auch. Denn wenn mein Kind Fieber hat, renne ich deswegen ja nicht gleich zum Arzt. Aber wenn ich jedes Mal ein Arztzeugnis brauche, muss ich das. Man rechne, was das bei drei Kindern heissen würde...
Wie gesagt, als Arbeitgeberin bin ich auch der Meinung, dass sich sowas nicht planen lässt. Dennoch kann man mit der Mitarbeiterin (ich wähle bewusst die weibliche Form, da es immer noch meist die Mütter sind, die sich um ihre kranken Kinder kümmern) schauen, wie wir das organisieren können. Vorausschicken möchte ich ausserdem, dass die Variante «ich suche mir einen Babysitter für mein krankes Kind» nicht wirklich in Frage kommt. Wer will seinen fiebernden Nachwuchs schon gerne in fremde Hände geben? Und das Kind hat bestimmt auch keine Lust auf die Nachbarin, wenn es sich schlecht fühlt. Diese Option fällt realistischerweise also schon mal weg.
Andere Möglichkeiten, sich rund um das kranke Kind zu organisieren – ZUSAMMEN mit dem Arbeitgeber (oder wieso nennen wir sie MITarbeiter, wenn sie dann alles selber deichseln müssen?). Die Situation ist je nach Fall total unterschiedlich, deshalb hier diverse Varianten (die natürlich nur für Berufe gelten, wo solche Flexibilität überhaupt vorhanden ist):
  • Allem Voran: Reden! Wir alle müssen einfach mehr Verständnis dafür aufbringen, dass hinter unseren Mitarbeitern Menschen stehen. Mit Familien, mit Problemen und eben manchmal mit kranken Kindern. Es muss doch möglich sein, das Thema zu besprechen, ohne dass irgend jemand um seinen Job bangen muss!
  • Home Office: Je nach Alter des Kindes kann es sich während einer Grippe sehr gut selber beschäftigen oder schläft eventuell viel. In dieser Zeit kann die Mitarbeiterin das Nötigste erledigen, was nicht liegen bleiben darf.
  • Arbeit übergeben: Dringende Aufgaben anderen Kolleginnen (am Besten wählt man dafür andere Mütter, das Verständnis ist mit Sicherheit grösser), so, dass man bei Rückkehr weitermachen kann. Und natürlich gibt es dann eine «Revanche». Mir ist bewusst, dass kinderlose Kollegen das nicht so toll finden. Tja, so ist das aber in einem Team, da arbeitet man auch füreinander. Suck it up!
  • Den Kindsvater aufbieten. Ja, das würde ich auch als Arbeitgeberin ansprechen. Das geht mich nichts an? Doch, ich finde schon. Wenn meine Mitarbeiterin von ihrem Mann so gar nicht unterstützt wird, dann muss man das Problem angehen. Auch Papa kann Zäpfchen schieben, das ist keine Hexerei!
Wenn der Herr Arbeitsgeberdirektor also meint, wir sollen das alles besser planen, sind hier eben auch die Arbeitgeber gefragt! Eine Firma läuft nur so gut, wie die Zusammenarbeit zwischen Chef und Team. Wenn meine Angestellten Angst haben müssen, mit mir über ihre kranken Kinder zu sprechen, bin ich einfach eine miserable Vorgesetzte!
Also, liebe Arbeitgeber: Nehmt euch die Worte von Herrn Müller zu Herzen und helft euren Mitarbeitern, gerne bei euch zu arbeiten. Nicht nur, weil sie ihren Job gerne machen, sondern auch weil sie merken, dass ihr auch Menschen seid. Menschen mit Verstand und Verständnis.

Text erstmals auf wireltern.ch erschienen.

Donnerstag, 11. August 2016

Kind und Karriere: Gut genug ist fast perfekt



In Sachen Gleichstellung gibt es noch viel zu tun. Perfekt sein zu wollen, gehört aber nicht dazu.

Erinnert ihr euch an Anne-Marie Slaughter? Das war die Frau mit dem millionenfach gelesenen Artikel im Atlantic Monthly: «Warum Frauen immer noch nicht alles haben können». Damals dachte ich, was heisst schon ALLES? Ich will nur nicht weniger haben können, als ein Mann in derselben Situation. Will heissen: Kind und Karriere (oder in meinem Fall einen Job, den ich gerne mache. Karriere habe ich nie gemacht, die zwei Ks sehen im Text aber besser aus).

Jedenfalls hat dieselbe Slaughter dieses Jahr ein Buch veröffentlicht: «Was noch zu tun ist». Darin beschreibt sie unsere Gesellschaft, wie wir als Frauen (Mütter) und Männer (Väter) darin funktionieren und was eben verbessert werden sollte. Die Berufswelt dürfe das Familienleben in Sachen Prioritäten und Wichtigkeit eben nicht toppen. Erst dann sei eine effektive 50:50-Aufteilung zwischen Mann und Frau möglich. Das Problem sind wir ja selber: Wir wollen alles perfekt machen, sowohl das Eltern (Mutter) sein, als auch unseren Job. Und wenn das nicht klappt, sind wir unzufrieden und denken, wir könnten eben doch nicht alles haben. Das verleitet dann zu Kommentaren wie «als Eltern muss man eben verzichten».
Mein Unternehmen ist mir wichtig, ich möchte es bzw. meine Mitarbeiter so gut führen, dass alle einen guten Job machen und Freude daran haben. Dabei sollten wir genügend Geld verdienen, dass meine Familie davon leben kann. Soweit so gut.
Meine Kinder und mein Mann sind mir im Zweifelsfall noch wichtiger. Was wiederum impliziert, dass ich einen guten Job machen will, um sie zu ernähren (siehe oben). Gleichzeitig wünsche ich mir, dass sie ihr Leben lang wissen, wie sehr ich sie liebe. Was meinen Mann angeht, möchte ich in 50 Jahren immer noch denken «Läck, sind wir ein cooles Team!» und meine Kinder möchte ich zu guten, empathischen und individuell denkenden Menschen erziehen. Soweit, ebenfalls so gut.

Doch perfekt? Was heisst das schon? Als mein Grosser ein Baby war, hatte ich diese Vorstellung von mir mit Schürze, wie ich für ihn Brei koche, ins Fitness gehe und nebenbei noch ein Buch schreibe. Ach, und Haus, Wäsche und Garten wären natürlich auch picco bello erledigt. Das Ganze natürlich zu 50:50 mit meinem Mann geteilt. Alles perfekt, alles easy. Was daraus geworden ist? Die Breie haben wir immer öfter gekauft, weil praktischer (und leckerer, so das Kind). Fitness? Fragt nicht! Und den Haushalt machen wir so gut wir können. Das ist ganz allgemein der Status: So gut es halt eben geht. Perfekt ist rein gar nichts bei Sassines. Denn das muss es auch nicht.
Im Beruf muss man perfekt sein. Weil man auf ein Gehalt angewiesen ist, auf den Job ganz allgemein und weil es viel Konkurrenz gibt. Aber als Eltern? Lohn gibt es keinen, den Job hat man lebenslänglich und Konkurrenz ist keine in Sicht (abgesehen von anderen, perfekten Eltern, aber die kann man ignorieren). Da reicht «ganz gut» allemal.
«Gibt sich Mühe» würde in meinem Zeugnis stehen. Denn wo sonst, wenn nicht bei den Kindern, ist das Scheitern vorprogrammiert, wenn man nach Perfektion strebt? Man denke nur ans Mittagessen. Da gibst du dir Mühe und kochst mal was Neues. «Hani nöd gärn!». Nasen werden gerümpft, das Essen im Teller rumgeschoben. Und so geht es mit so Vielem als Eltern: Gut genug reicht deshalb völlig aus, alles andere ist illusorisch. Denn Kinder haben gar nicht so hohe Ansprüche, sie wollen vor allem geliebt werden. Und das ist das Einzige, wo ich keine «Gut-Genug-Philosophie» habe: Ich liebe meine Kinder. Ohne Wenn und Aber. Das muss reichen.

Dieser Post erschien erstmals auf wireltern.ch

Donnerstag, 14. Juli 2016

Beruf und Familie: Wie das geht



Mit vier Kindern 100 Prozent arbeiten? Geht! Den Arbeitgeber zu einem 80-Prozent-Job nötigen? Geht auch! Drei Familien erklären, wie sie ihren Alltag bewältigen – und dabei die Lebensfreude nicht verlieren.

«Mich nervt es, wenn die Schule einfach davon ausgeht, dass Mama zu Hause ist.»
Nathalie Sassine-Hauptmann


  • Name: Nathalie Sassine-Hauptmann
  • Alter: 43
  • Beruf: Inhaberin eines Online-Reisebüros
  • Familie: Verheiratet mit einem E-Commerce-Leiter, 2 Kinder im Alter von 12 und bald 7 Jahren.
    Meine Mutter wohnt im Nachbardorf und ist zur Stelle, wenn wir sie brauchen. Alle anderen Grosseltern stehen für die Betreuung leider nicht zur Verfügung. Ausser der Grossvater besucht uns aus Japan, dann bleibt er ein paar Wochen und betreut auch die Kinder wenn nötig.
  • Jobsituation: Beide sind zu 100 Prozent berufstätig und arbeiten tageweise zuhause. 
  • Betreuung der Kinder: Zwei Tage in der Woche essen sie in der Tagesschule und machen da auch ihre Hausaufgaben. Einen Tag kommt die Nonna und kocht am Mittag, an je einem Tag bleiben Mama oder Papa zu Hause. So der Standard. In der Tat sieht jede Woche etwas anders aus, wir bleiben flexibel.
  • Wer kümmert sich um den Haushalt? Ich merke gerade, dass der Vater viel mehr im Haushalt macht als ich. Ich bin dafür für Technik und Kinder zuständig, also Arztbesuche, Organisation etc. Einkaufen tun wir abwechslungsweise, wobei mein Mann das lieber macht als ich. Er gibt dabei aber auch mehr Geld aus und die Kinder freuen sich über mehr Süssigkeiten. Das Haus wird einmal wöchentlich von der Putzfrau gereinigt. Und natürlich müssen die Kinder ihren Beitrag leisten.
  • Wie mein Arbeitstag normalerweise abläuft: Am liebsten stehe ich vor der Familie auf, um in Ruhe meine Mails und die Zeitung zu lesen, also um 6.00 Uhr. Um 7.00 Uhr geht dann der Wecker und wir essen zusammen Frühstück. Duschen, anziehen, Znüni machen (wenn wir's nicht vergessen), mit den Kindern diskutieren, ob es warm genug für kurze Hosen ist. Die Kinder gehen um 08.00 Uhr selbständig in die Schule, während ich ins Büro fahre, welches nur gerade 10 Minuten von zuhause entfernt ist. Ausser am Mittwoch, da arbeite ich zu Hause. Mein Mann arbeitet entweder im Home Office oder im Büro, je nach Bedarf. Wenn die Kinder in der Tagesschule sind, treffen wir uns alle ca. um 18.30 Uhr zu Hause wieder, an «meinem» Tag koche ich zu Mittag und bin für die Hausaufgaben da, wenn ich gebraucht werde. Danach hauen die Kinder meist ab nach draussen, so kann ich weiterarbeiten. Um 19.00 Uhr essen wir gemeinsam, die Kinder gehen zwischen 20.15 und 20.45 ins Bett. Meist wird danach noch ein wenig gearbeitet, bei einem Glas Wein. Um 11.00 ist meist Schluss, ich brauche viel Schlaf.
  • Was mich in den Wahnsinn treibt: Das ändert dauernd. Zurzeit? Leute, die glauben, mein Unternehmen sei ein von meinem Mann finanziertes Hobby. Und die Schule, die davon ausgeht, dass Mama zu Hause ist und spontan ein Mittagessen für die Schulreise organisieren kann, weil diese bereits am nächsten Tag stattfindet. Generell? Der Vorwurf, nie Zeit zu haben, wenn ich gefragt werde, ob ich mitten im Nachmittag «käfelen» will.
  • Was mich jeden Tag glücklich macht: Unser wachsendes Familienunternehmen, mit meinem Mann und Kindern, die am gleichen Strick ziehen wie ich. Meine Tochter entwirft zur Zeit Designs, die wir irgendwann verkaufen werden.

Auch wenn es in den Kommentaren immer wieder tönt: "Wieso habt ihr überhaupt Kinder?". Wir scheinen alle happy mit unserem jeweiligen Modell. Und das ist alles, was zählt.

Den ganzen Artikel lest ihr auf watson.ch


Mittwoch, 11. Mai 2016

Was uns Mütter lehren

Bild: wir eltern


Unabhängig vom Muttertag lernen wir täglich so viel von unseren Müttern. Deshalb heute ein paar der besten Mütterzitate.

Muttertag haben wir praktisch abgeschafft. Die Kinder basteln zwar meistens in der Schule – was sie übrigens zum Vatertag nicht tun – und damit hat es sich. Ich will auf jeden Fall verhindern, dass sie mit Muttertag (aber auch Geburtstag etc.) in den «heute muss ich lieb sein» Stress geraten. Ich hatte den nie und habe mit meiner eigenen Mutter ein super Verhältnis. Ich kenne viele, von denen am Muttertag etc. immer einiges erwartet wurde. Die Erinnerung daran ist keine gute und trübt teilweise bis heute das Verhältnis zwischen Mutter und Kind. Nein danke!

Nun lernen wir täglich von unseren Müttern, gerade im Bezug aufs Muttersein. Deshalb habe ich ein paar über die Jahre hinweg gelesenen Zitate von berühmten Müttern zusammengestellt, die ich mir merken werde:

1. «Erfolg ist für mich, wenn mein Sohn unterstützt wird, sollte er Hausmann werden wollen. Dasselbe gilt für meine Tochter, wenn sie Karriere machen will. Oder eben umgekehrt.» Sheryl Sandberg, COO bei Facebook
2. «Mutter sein macht mich zu einer besseren Arbeitskraft. Jeden Abend nach Hause zu meinen Mädchen zu kommen, erinnert mich daran, wofür ich arbeite. Und der Beruf macht mich zu einer besseren Mutter, denn ich verfolge meine Träume. So zeige ich meinen Töchtern, dass sie ihre genauso verfolgen sollen. — Michelle Obama
3. «Ich bewundere Frauen, die Mütter sind, die den Balanceakt zwischen Familie und Beruf schaffen. Sie zeigen mir immer wieder auf, dass es gehen kann und gehen wird.» — Beyonce
4. «Eine Supermami zu sein ist genauso aussichtslos, wie eine perfekte Mutter sein zu wollen. Das wird nie passieren.» — Arianna Huffington, Gründerin der Huffington Post
5. «Ich glaube, jeder berufstätigen Frau geht es so: Du verbringst viel Zeit damit, zu denken «das ist unmöglich!» und dann machst du weiter und weiter und vollbringst das Unmögliche.»—  Tina Fey, Schauspielerin und Autorin
6. «Hab keine Angst, vertraue deinem Instinkt. Und versuche, jede Minute zu geniessen.»  —  Rachel Zoe, Stylistin
7. «Automatisiere dein Leben so gut es geht: Einkaufen, Windeln, Manicure etc. Je weniger du über Alltägliches nachdenken musst, umso mehr Zeit hast du für deine Kinder.»  — Eva Chen, CEO bei Trend Micro
8. «Du kannst nicht alles haben. Aber du kannst haben, was dir wirklich etwas bedeutet.»  — Marissa Mayer, CEO Yahoo.com
9. «Einen Job kannst du kündigen. Das Mutter-sein nicht, das bleibst du für immer. Mütter haben nie frei, keine Ferien. Mutter sein definiert dich, es zerstört dich und baut dich wieder auf. Mutter sein erinnert uns an uns selber als wir Kinder waren, daran, dass unsere Mütter auch nur Menschen sind und an unsere dunkelsten Ängste, wer wir denn wirklich sind. Mutter sein bedeutet, es zu schaffen, sonst vermasselst du dein Kind.»  — Shonda Rhimes, TV Produzentin


Und nun ihr: Was würdet ihr euren Töchtern sagen für ihr weiteres Leben? Persönlich möchte ich wie folgt zitiert werden: »Achte auf dich selbst. Wenn du glücklich bist, ist die Chance gross, dass deine Kinder es auch sind.»

Blogpost erschienen auf wireltern.ch


Mittwoch, 13. April 2016

Du sollst, du sollst nicht

Mama kann es einfach nie recht machen. War die Karriere nebst
Kindern vor ein paar Jahren noch erstrebenswert, werden wir heute vor ihr gewarnt. Sie soll der Anfang vom Ende sein.

Als mein Sohn 2004 zur Welt kam, wurde der Mutterschaftsurlaub eingeführt. Dafür hatte auch ich mich vehement eingesetzt, auch wenn ich ihn für mich gar nicht beanspruchen konnte, da das Gesetz eine Woche(!) nach der Geburt meines Kindes eingeführt wurde. Aber ich freute mich natürlich für alle Mütter und dachte «endlich wird das Muttersein – und somit Frausein - im Berufsleben ernst genommen und man muss seinen Job nicht gleich aufgeben, wenn man ein Kind kriegt.» Dass die Realität eine andere ist, höre ich zwar leider noch viel zu oft, aber der Weg für ein Leben mit Kindern UND Beruf schien geebnet zu sein. Daraufhin gab es immer öfter Frauen, die sich nach ihrer Babypause mit mehr oder wenig Begeisterung wieder in ihr Berufsleben stürzten, viele Teilzeit, einige Vollzeit. Jede so, wie es eben ging und für die Familie stimmte. Hallelujah, wir waren im 21. Jahrhundert angekommen.

Seit einiger Zeit häufen sich jedoch die Stimmen wieder, die eine weibliche Berufstätigkeit kritisieren. Das sind nicht etwa die alten Herren im Parlament oder die Grossmütter, die ihre Enkel vernachlässigt sehen. Vielmehr sind das eben diese (ehemals) berufstätigen Mütter, die uns davon abraten, denselben «Fehler» zu machen.
So warnte auch Erin Callan – obwohl damals noch nicht Mutter - letzte Woche im Tages Anzeiger davor, die Karriere zu sehr zu gewichten.
Ich war der Rockstar an der Wallstreet, aber ich hatte trotzdem das dumpfe Gefühl, dass mich dies nicht erfüllen würde.
Sie sollte recht behalten: Sechs Monate später stand sie auf der Strasse. Sie hatte bei Lehman Brothers und Credit Suisse eine steile Karriere hingelegt.) Kurz vor Weihnachten unternahm sie einen Suizidversuch. Was sie zu diesem extremen Schritt bewog? «Arbeit war meine Sucht.» gibt sie zu. Und beinahe ihr Untergang. Deshalb «warnt» sie jetzt in ihrem Buch uns Frauen.

Was mich daran stört? Immer werden wir gewarnt. Vor der extremen Langeweile und Hirnzerbröselung, wenn unsere Babypause zu lange dauert. Vor der Selbstzerstörung, wenn wir uns nur der Karriere hingeben. Das sind beides Extreme, die mit Herr und Frau Normalo nichts zu tun haben. Können wir nicht alle mal kurz durchatmen und sehen, dass die meisten Frauen von allem ein bisschen haben? Keine alles zerstörende Karriere, welche die Familie oder die Beziehung vollkommen kaputt machen? Keine totale Einöde ohne Freunde, welche ein Kind offenbar mit sich bringt?
Diese «Warnungen» sind so unnötig wie Zitronensaft im Auge. Lasst uns doch einfach unser Leben so leben, wie wir es möchten. Die wenigsten von uns werden es übertreiben, oder? Eben. Interessanterweise hat Erin Callan heute ein Kind und lebt zurückgezogen. Wenn das mal gut kommt..
Buch: Erin Callan Montella: Full Circle. Triple M Press, 2016.

Mittwoch, 2. März 2016

"Du kannst eben nicht alles haben!"



Wieso es dennoch nicht so schlimm ist, wenn Mama «versagt».
Mir wurde schon oft vorgeworfen, ich könne nicht alles haben. Eine funktionierende Familie, eine gut laufende Firma, glückliche Kinder und einen Mann, der mich liebt. Meistens tue ich diese Kritik ab und widme mich dem, was eben gerade ansteht. Denn ja, es ist viel. Die Tage sind gefüllt mit Terminen, Telefonaten, Arbeit, Hausaufgaben, Haushalt, Kochen undundund.
Aber ungefähr 300 Tage im Jahr geht alles gut. Ich habe noch kein Kind vergessen abzuholen (einmal fast, aber dazu ein andermal mehr), keiner meiner Kunden ist am Flughafen stehen geblieben, Mahlzeiten wurden keine verpasst, Mitarbeiterinnen werden immer pünktlich bezahlt, die Wäsche ist meist gewaschen, der Haushalt mehr oder weniger erledigt, der Kühlschrank voll.
Es gibt aber immer wieder Situationen, da denke ich «Jetzt ist es soweit. Ich habe versagt.» Das fährt richtig ein. Und offenbar nicht nur mir. Einer kürzlich geführten Online-Umfrage von Career Castzufolge, ist es nicht die Vielfalt an Aufgaben, die uns stresst. Auch nicht die Anzahl. Nervlich belastend ist das Unvorhergesehene.Von 834 Befragten – davon ca. die Hälfte Frauen – gaben ein Viertel an, dass es sie am Meisten stresst, wenn etwas passiert, womit sie nicht gerechnet haben.
Wenn ich morgens aus dem Haus will und ein Kind krank ist. Gerade heute! Da ist doch dieser Messeauftritt. Den DARF ich nicht verpassen! Oder Papa kann die Kleine nicht abholen, er steht im Stau. Oder mein Reservationssystem im Reisebüro liegt flach, dabei habe ich doch so viele Anfragen! Ach ja und wenn ich diesen Blog schreiben will und selber krank werde...
Das sind die Tage, in denen ich – obwohl schon viele Jahre berufstätige Mutter – panisch werde. Als würde die Welt untergehen, wenn ich heute nicht arbeiten kann. Oder heute eben nicht mit Tochter zum Basteln kann, weil etwas dazwischen gekommen ist. Hier gesellt sich zur Panik noch das schlechte Gewissen, allgegenwärtig in brenzligen Situationen.
Diese Panik bahnt sich den Weg aus meinem Verstand in den Bauch (weh) zum Herzen (rasend), um dann wieder zum Verstand zu gelangen. Ich kann nicht mehr. Was soll das Ganze? Wieso tue ich mir das an? Doch eben dieser Verstand sagt mir dann – sofern ich mich bis dahin beruhigt habe – ich solle mir mal überlegen, ob mir diese Situation in zwei Monaten immer noch Herzrasen verursacht. Will heissen: «Ist es wirklich so schlimm?». Fast immer kann ich mit «Nein» antworten. Verstand an Herz: «Beruhig’ dich erstmal wieder». Herz an Gesichtsmuskeln: «Lächeln!» Geht doch. Alles halb so schlimm.
Wir berufstätigen Mütter müssen alles im Griff haben. ALLES. Damit nichts Unvorhergesehenes passiert. Meist haben wir das auch. Und wenn nicht: Lächeln! Es kommt bestimmt sehr bald das Nächste «Siehst du. Du kannst nicht alles haben.» Und dem will ich eben mit einem Lächeln begegnen. Denn was bedeutet schon ALLES?

Dieser Artikel erschien erstmals heute auf wireltern.ch

Mittwoch, 13. Januar 2016

"Mütter müssen mehr delegieren!"




Jede vierte Mutter weint mindestens einmal in der Woche wegen der Doppelbelastung. Die Lösung? Delegieren!

Eine Umfrage von care.com (denen auch betreut.ch angehört) fand heraus, dass ein Viertel aller berufstätigen Mütter mindestens einmal pro Woche weint. Aus Stress, Verzweiflung, Überforderung. 


Dass wir nicht «alles haben können» wissen wir, seit Anne-Marie Slaughter uns das klipp und klar unter die Nase gerieben hat. Doch was tun, wenn die Doppelbelastung uns regelmässig in die Knie zwingt?

«Wir möchten gut im Beruf sein, tolle Mütter, perfekte Hausfrauen und sexy Partnerinnen.» Das lese ich immer wieder von Expertinnen zum Thema, auch im Zusammenhang mit dieser Studie. Wenn ich aber ganz ehrlich bin, stimmt das in meinem Fall gar nicht. Gut im Beruf: Ja, auf jeden Fall. Da hängt ja sehr vieles dran, nicht zuletzt das Einkommen für die Familie, für die wir offenbar so perfekt sein wollen. Tolle Mutter: Was heisst schon toll? Ich will da sein, wenn die Kids mich brauchen, das ist aber kaum 24/7 nötig. Man tut, was man kann. Perfekte Hausfrau? Nö. Ich bin ja auch nicht alleine für den Haushalt verantwortlich. Sexy Partnerin? Nach 18 Jahren kennt mich mein Mann wohl so gut, dass ich nicht mehr so tun kann, als sei ich sexy. Man tut, was man kann...

Jetzt, wo ich festgestellt habe, dass nicht alle Punkte auf mich zutreffen, frage ich mich dennoch: Wieso fühle ich mich manchmal so gestresst? Ausgelaugt und überfordert? Den Tränen nahe?

Das Problem der Doppelbelastung liegt offenbar in unserer eigenen Vorstellung, wie wir zu sein haben. Den Kids ist es nämlich egal, ob der Staub zwei Tage länger liegen bleibt und seien wir ehrlich, den meisten Männern auch. Ausserdem – und jetzt kommt’s eben – könnte Papi den Staub ja selber mal wischen. 

Das Problem mit dieser Erwartungshaltung ist, dass wir diese nicht klar und deutlich kommunizieren. «Mein Mann tut zu hause nichts» höre ich viel. Aber weiss er denn genau, was er tun könnte? Oder ist es eine diffuse Erwartungshaltung – verbunden mit Frust, wenn es nicht klappt – die wir aus einer alten Rollenverteilung eigentlich als unsere Aufgabe ansehen und uns kaum trauen, diese zu delegieren? Nicht zuletzt, weil wir uns mit anderen Müttern vergleichen?

Die Chefin von care.com sieht da ein Muster: «Anstatt in Panik zu geraten und zu verzweifeln, sollten Mütter ihren Männern / ihrer Familie ganz klare Anweisungen geben: Bitte kümmere dich um das Frühstück, dann kann ich abends früher nach Hause kommen.» Gerade berufstätige Mütter sollten wissen, was «delegieren» bedeutet und sich nicht scheuen, dies auch zu Hause zu tun. 

Das wird uns nicht davor bewahren, dennoch manchmal zu weinen, aber vielleicht irgendwann mal nur noch beim Zwiebeln schneiden... Oder was meint ihr?